Europa, Metropolensommer, Reisen mit Kindern
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Mitten in Leipzig

Lion

An diesem Wochenende haben wir Leipzig als Reiseziel für Familien mit kleinen Kindern getestet und für gut befunden. Wir waren gespannt auf die Sachsenmetropole, die gerade ihr 1000jähriges gefeiert hat und laut Pressenstimmen immer mehr zu „Hypezig“ der Trendmetropole mutiert.

 Hinkommen

Ich gebe zu, schon einige Male arg auf die Deutsche Bahn geschimpft zu haben, wenn es entweder irgendwo ewig nicht vorwärts ging oder gerade mal wieder Streik war. Aber es gibt auch Positives zu berichten: Dank Sparpreis sind wir für 14,25 Euro pro Nase (BahnCard 25) mit dem IC von Kassel-Wilhelmshöhe bis nach Leipzig gefahren. Die Kinder reisen ja bis sie fünf sind kostenfrei und so war das für uns eine überschaubare Rechnung. Hinzugekommen sind noch neun Euro für die Familienreservierung, die ich aber auch nicht hätte missen wollen. Dazu aber dann doch ein kleiner Kritikpunkt. Da ich bei der Onlinebuchung angezeigt bekam, dass mein Wunsch vier Sitzplätze mit Tisch in Ordnung geht, habe ich mir nicht mehr anzeigen lassen, wo konkret die Plätze liegen. What a nice surprise: Wir hatten dann zwei mal zwei Sitze an gegenüberliegenden Tischen und eben den Gang dazwischen. Liebe Deutsche Bahn, was hast Du Dir dabei nun wieder gedacht?! Die jeweils ansonsten an den Tischen sitzenden Mitreisenden zeigten sich verständig und mittels Tausch saßen wir dann doch wieder alle beisammen. In Leipzig selbst haben wir uns fast ausschließlich zu Fuß fortbewegt. Für die Rückfahrt haben wir auch einen Sparpreis gebucht, der aber inkl. Reservierung bei ca. 60 Euro für uns vier lag.

Unterkommen

Wir haben es gerne zentral und nehmen dafür auch etwas Lautstärke in der Umgebung in Kauf. Lebendig ist eben selten leise. Beide Kinder sind allerdings auch in der Lage überall und bei jedem Lautstärkepegel einzuschlafen bzw. zu schlafen. Ich hatte vorab das Five Elements Hostel ausgesucht, das nahe dem Markt, dem Barfußgäßchen und der Thomaskirche liegt- mitten im Leben eben. Vor dem Hostel befindet sich einem kleiner Platz mit Springbrunnen, rundherum befinden sich Cafés und Restaurants. Der Lastminutepreis den wir für das Vierbettzimmer mit privaten Bad zahlten war mit 49 Euro pro Nacht ziemlich gut. Das Zimmer war sehr geräumig, modern eingerichtet und sauber. Zum Frühstück können wir nichts sagen, da es uns bei dem guten Wetter vor die Tür zog.

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Essen

Wenn ich das Wochenende Revue passieren lasse, stelle ich fest, dass wir oft und gut gegessen haben. Und in jedem der Lokale, in denen wir waren, wurde auf die Sonderwünsche der Kleinsten eingegangen.

Am Samstagmorgen war schnell klar, dass wir bei dem schönen Wetter draußen frühstücken würden. Wir konnten uns zunächst zwischen dem Barfusz und dem Spizz, die unmittelbar nebeneinander liegen, nicht entscheiden. Wie gut, dass uns auch noch der Sonntag für ein Frühstück in Leipzig blieb. Am Samstag verschlug es uns schließlich ins Barfusz, das mit einem Frühstücksbüffet für 7,90 Euro pro Erwachsenem lockte. Das Angebot können wir uneingeschränkt weiterempfehlen, es war wirklich für jeden etwas dabei. Ich habe mich u.a. über die Rote Grütze mit Vanillesoße gefreut. Es war schnell voll auf der Terrasse, was aber nicht zu Engpässen am Büffet führte. Trotz der vielen Menschen gab es genug Platz für den Kinderwagen und die Stimmung blieb chillig. Am Sonntag gibt es das Ganze übrigens noch in der XXL-Version als Schlemmerbrunch für 16,90 Euro pro Person. Und am heutigen Sonntagmorgen war dann ein Besuch im Spizz fällig. Diesmal gab es kein Buffet, sondern eine große Auswahl an Frühstück à la Carte. Die Auswahl reicht von basic bis oppulent. Ich habe mich an dem Fitnessfrühstück für 5,90 Euro (2 Körnerbrötchen, Frischkäse, Becel, Avocadopürree, Müsli mit Sojamilch, frisches Obst) versucht und fands lecker. Alex hat sich drei Rühreier bestellt und war mit einem Butterbrot dazu rundum zufrieden. Emmy hat sich vielseitig interessiert gezeigt und überall mal probiert. Sowohl das Barfusz als auch das Spizz sind vom Hostel etwa nur zwei Gehminuten entfernt.

Am Freitagabend waren wir nach unserer Ankunft noch hungrig und Alex durfte aussuchen, wo es hingeht. Weit sind wir nicht gekommen. Er suchte für uns das Kartoffelhaus N° 1 aus, das es wohl in einigen Städten Deutschlands gibt. Die von uns besuchte Filiale befindet sich gegenüber vom Hostel und direkt an einem Springbrunnen. Angekommen sind wir mit einem schlafenden Kind (Emmy) und nach Hause ging es dann mit zwei schlafenden Kindern (+Alex). Der zunächst so hungrige Alex, der eine Sonderzusammenstellung serviert bekam, war nämlich auf einmal sehr müde. Also wurden kurzerhand zwei Stühle zusammengestellt und ruckzuck ertönte leichtes Schnarchen aus seiner Richtung. Es gibt im Kartoffelhaus N° 1 allerlei Gerichte rund um die Kartoffel zu moderaten Preisen.

Am Samstagabend musste dringend Pasta her- wir hatten Lust auf Nudeln. Im -von mir für diesen Abend erwählten- Dolce Vita gab es keinen freien Tisch mehr draußen. Wir haben uns entschlossen zu warten – und es hat sich gelohnt. Emmy schlief mal wieder und konnte direkt neben dem Tisch im Kinderwagen abgestellt werden. Alex bekam seine Spaghetti natur und eine Milch dazu . Meine Spaghetti aglio e olio waren fantastisch und auf jeden Fall die neun Euro wert, die ich dafür bezahlen durfte. Abermals verließen wir am Ende das Lokal mit zwei schlafenden Kindern. Wie gut, dass wir auch diesmal nur wenige Schritte vom Hostel entfernt waren und es daher keine größeren Anstrengungen kostete, den Nachwuchs dorthin zu verbringen (wobei ich ehrlicherweise hinzufügen muss, dass es eigentlich nur Helmut, der der schlafenden Alex abtransportierte, überhaupt irgendwelche Anstrengungen kostete).

Vor der Abfahrt nach Kassel plagte uns noch einmal der Hunger und wir fielen in die Milchbar Pinguin ein. Super Sache, denn jeder bekam was er wollte- Eiscafé und Restaurant aus einer Hand. Beflügelt von dem Geschmackserlebnis am Vortag bestellte ich noch einmal Spaghetti aglio e olio (7,50 Euro) während Helmut einen Ziegenkäse-Salat (8,90 Euro) und Alex ein Pinocchioeis (4,20 Euro) wählten.  Gegen die Spaghetti im Dolce Vita kam man zwar nicht an, doch schmeckte alles gut, die Kinderfreundlichkeit war top und es gab als besonderes Highlight für Wickelkinder einen liebevoll eingerichteten Wickelraum. Alex meinte, dass er so ein leckeres Eis bald wieder essen wolle.

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Ein Nachmittag im Zoo

Das Beste haben wir leider verpasst- für das Elefantenbaden waren wir zu spät dran. Wenn du also mit deinen Kindern den Zoo in Leipzig besuchst,dann erkundige dich am besten nach den aktuellen Zeiten. Alex war schon sauer auf mich. Der Zoo ist schön angelegt und thematisch nach Kontinenten sortiert. Sehr gut gefallen hat (trotz des Badefiaskos) der Elephantentempel. Die Gehege sind eher  grosszügig bemessen. Das freut für die Tiere, hat jedoch einen großen Nachteil: es kann schon mal länger dauern, bevor man den Bewohner des jeweiligen Geheges sichtet. Kleine Kinder sind bekanntermaßen zumeist nicht mit großer Geduld gesegnet, dafür aber umso freudiger, wenn sich einer der Zoobewohner blicken lässt. Samstag war es ziemlich heiß und viele Tiere haben wohl das gemacht, was auch die meisten Zoobesucher bei so einem Wetter machen, nämlich sich einen Platz im Schatten suchen. Daher war unsere „Ausbeute“  zahlenmäßig eher überschaubar. Aber es gab noch mehr. Um 16.00 Uhr wurde ein Puppentheater aufgeführt, das sogar uns Großen gut gefiel. Zudem gibt es im Zoo einen herrlichen neuen Spielplatz, den sogenannten Bärenburg-Spielplatz. Hier können die Kleinen ihre motorischen Fähigkeiten und Kletterkünste trainieren, ein kleiner Wasserspielplatz ist integriert. Es war äußerst schwierig, Alex von dort wieder wegzubekommen. Außer diesem Superspielplatz gibt es im Zoo noch einige weitere Spielplätze. In unmittelbarer Nähe findet sich zumeist eine Möglichkeit, etwas zum Trinken oder Essen zu kaufen.  Im Zoo können für 2,50 Euro (10 Euro Kaution) Bollerwagen und Buggys (vergleichbar denen, die es an manchen Flughäfen gibt) ausgeliehen werden. Die Tageskarte für Erwachsene kostet 18,50 Euro, Kinder unter 4 zahlen nichts, danach 11 Euro. Außerdem gibt es Familienkarten für 47 Euro und verbilligte Abendkarten.

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Den Überblick behalten

Wer Leipzig von oben sehen möchte, der kann dies von der Aussichtsplattform des City-Hochhauses bzw. Panorama Towers am Augustusplatz. Der Aufzug fährt bis in den 29. Stock, wo es auch ein Restaurant mit Panoramablick gibt. Von dort aus geht es zu Fuß die Treppen hinauf. Den Kinderwagen kann man im 29. Stock problemlos derweil abstellen. Der Weg nach oben führt durch ein Drehkreuz, das sich für drei Euro pro Erwachsenem öffnet. Auch wenn es da oben schon ganz schön winden kann, der Blick ist die drei Euro wert !

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Leipzigs Passagen

Nicht so kinderspezifisch, aber schön sind Leipzigs zahlreiche Passagen. Allen voran natürlich die Mädler Passage, die auch Auerbachs Keller beheimatet. Bei schlechtem Wetter sind Passagen gleich nochmal viel toller. Ich muss allerdings gestehen, in dieser Hinsicht etwas verwöhnt zu sein, da ich mein Auslandssemester in Mailand verbracht habe und häufiger Besucherin der Galleria Vittorio Emanuele II. war, die wohl so leicht nicht zu toppen ist und außerdem Vorbild für die Mädler Passage war.

Von Handschwengelpumpen und Löwen

Direkt gegenüber der Mädler Passage findet sich eine Attraktion für die Kinder. Ein Brunnen, der mit einer Handschwengelpunpe betrieben wird, links und rechts davon jeweils das Wappentier Leipzigs, der Löwe. Hier können sich die Kleinen darin ausprobieren, ob sie das Wasser zum Fließen bringen oder aber Mama und Papa pumpen lassen und selbst auf einem der Löwen Platz nehmen.

Es gibt noch viel mehr zu sehen und zu erleben in Leipzig und Umland und so war dies nicht unser letzter Besuch – wir kommen wieder. Ich halte es jedoch immer für wichtiger, das Wochenende entspannt zu verbringen, als Sehenswürdigkeiten abzuhaken und in Stress zu geraten. Dann doch lieber noch mal wiederkommen!

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