Familienwahnsinn
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Ich will mehr Zeit für meine Kinder

mehrzeit

Eigentlich wäre jetzt erstmal mein Berlinpost fällig – aber es gibt da noch ein Thema, das zwar etwas offtopic ist, mir persönlich aber sehr am Herzen liegt. In der letzten Woche war es ein Jahr her, dass ich nach der Geburt meiner Tochter in den Job zurückgekehrt bin. Genauer gesagt bin ich nach acht Wochen Mutterschutz in Vollzeit wieder durchgestartet. Rückblickend muss ich sagen, ich habe versucht, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen und habe doch so vieles verpasst.

Da half es auch nur bedingt, meinen Mann, der seit der Geburt unseres Sohnes in Elternzeit war, daheim bei den Kleinen zu wissen. Zwar waren sie in allerbesten und liebevollen Händen während ich meiner Arbeit nachging, das änderte aber nichts daran, dass ich einfach oft nicht dabei war. Dabei hatte ich noch das Glück, dass ich mir meine Arbeitszeit relativ frei einteilen konnte und es uns auch möglich war ( danke Papa! ) die Kleine zum Stillen bei mir im Büro vorbeizubringen.

Warum bin ich so früh zurück in den Job ? Mein Mann kam 2011 aus Bonn zu mir nach Kassel, um nach der Geburt unseres Sohnes in Elternzeit zu gehen. Sein Job blieb in Bonn zurück. Da er bereits etliche Berufsjahre absolviert hatte und ich am Anfang meines Berufslebens stand, war schnell klar, dass ich die erste von uns beiden sein würde, die zurück an den Schreibtisch kehrt. Da ich im Oktober 2010 erst in meinen Beruf eingestiegen war und unser Sohn bereits im September 2011 zur Welt kam, plante ich bereits damals die Rückkehr in den Beruf nach acht Wochen Mutterschutz. Dann war unser erstes Kind da und ich war hin und weg. Ich wollte erstmal nicht zurück ins Büro. Keine Sekunde wollte ich verpassen. Wir rechneten. Da wir zuvor beide Vollzeit gearbeitet hatten, konnten wir dank Elterngeld sieben gemeinsame Monate Elternzeit nehmen. Es war eine tolle Zeit für uns als Familie und wir lernten einander in dieser Zeit gut kennen.

Im April 2012 war meine Elternzeit vorbei und ich kehrte in meinen Beruf zurück, während Helmut mit unserem Nachwuchs daheim blieb. In diesem Jahr kamen dann auch meine Eltern zurück in die Nähe von Kassel, was für uns alle eine große Bereicherung darstellte. Ende 2012 wagten wir dann ein weiteres Experiment. Ich ging in eine Abordnung nach Bonn, um etwas Neues auszuprobieren und auch um auszutesten, ob Lebensmittelpunkt unserer kleinen Familie auch das Rheinland sein könnte. Helmut und Alex begleiteten mich in einigen Wochen, ansonsten sah ich die Familie nur an den Wochenenden. Wir fanden schließlich heraus, dass wir uns ein dauerhaftes Leben in Bonn als Familie nicht vorstellen können und die wiederkehrenden Trennungen fielen uns zunehmend schwer.

Im Dezember 2013 kehrte ich frühzeitig aus der Abordnung zurück und war bereits wieder im fünften Monat schwanger. Da wir mehr Platz brauchten für die wachsende Familie und genau zu diesem Zeitpunkt ein Haus direkt neben meinen Eltern freiwurde, nahmen wir dies als Wink des Schicksals und schlugen zu.

Im Mai 2014 kam dann unsere Tochter zur Welt. Es war Liebe auf den allerersten Blick. Gleichzeitig war aber klar, dass es für mich diesmal keine Schonzeit geben würde. Die Vorausetzungen waren andere als im Jahr 2011. Da Helmut seit 2011 in Elternzeit war, bekam er nur den Mindestsatz an Elterngeld. Ich selbst hätte zwar 1800 Euro bekommen, jedoch galt es auch einige laufende Kosten zu decken. Nicht zuletzt hatten wir uns ja für den Erwerb des Hauses entschieden. Der 1. August 2014 war mein erster Arbeitstag und es fiel mir schwer, meine Familie alleine zu Hause zurückzulassen. Es war ein Trost, den aus meiner Sicht besten Papa aller Zeiten – mein eigener Papa läuft natürlich außer Konkurenz – (danke für alles Helmut) und liebevolle Großeltern (danke Mama, danke Papa) vor Ort zu wissen. Ich habe seither versucht, möglichst viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Trotz aller Flexibilität und Familienfreundlichkeit meines Arbeitsplatzes war es letztlich so, dass die Kinder häufig noch schliefen, wenn ich mich auf den Weg ins Büro machte und oft bereits müde waren, wenn ich zurück kam.  Helmut und meine Eltern berichteten mir stets von den Ereignissen des jeweiligen Tages. Ich freute mich wie ein Schneekönig über jeden Fortschritt, den die Kleinen machten und war stolz wie Bolle auf meine tollen Kindern. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl – und habe dies auch im Moment noch – , so viele schöne Momente zu verpassen.

Anfang 2015 war ich erschöpft von der Job-Familiensituation und es war klar, dass wir eine Pause brauchten. Außerdem wollten wir Zeit für uns vier alleine haben und gemeinsam etwas Unvergessliches erleben. Ende Februar bis Ende März nahm ich daher einen Monat Elternzeit und wir bereisten in dieser Zeit gemeinsam Südafrika. Es war eine Zeit, die viel in unserem, vor allem meinem Bewußtsein verändert hat, und unter anderem zur Entstehung dieses Blogs geführt hat. Nach unserer Rückkehr nach Deutschland und meiner Rückkehr ins Büro habe ich immer mehr begriffen, dass ich mich im Alltag nach mehr Zeit mit den Kindern sehne und dass ich es leid bin,  immer wieder so viel zu verpassen. Ich sehe an Alex, der nun im September bereits seinen vierten Geburtstag feiert, wie schnell die Zeit vergeht. Gleichzeitig wird mir immer mehr bewusst, dass diese Zeit, in der so viel passiert, nicht wiederholbar oder wiederbringlich ist. Wenn ich die Fortschritte meiner Kinder miterleben will, dann muss ich mir jetzt die Zeit nehmen. Es ist an der Zeit, die Prioritäten zu überdenken und neue Wege zu finden. Wir haben noch einmal nachgedacht und Helmut hat sich mir zuliebe bereiterklärt, wieder teilweise in den Job zurückzukehren, damit ich meine  Arbeitszeit reduzieren kann. Bei dem von uns geplanten Arbeitszeitmodell werden wir gemeinsam mehr Zeit als Familie haben. Wenn alles gut geht, wird dies ab Mitte September soweit sein. Ich freue mich riesig !  Meine Kinder sind das Beste, was ich in den letzten 35 Jahren zustande gebracht habe, sozusagen mein Lebenserfolg. Sie werden immer das Allergrößte und Wunderbarste für mich in meinem Leben bleiben ! Deswegen möchte ich soviel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen.

Jetzt weißt du zwar viel über mich, fragst dich aber, was das alles mit dir zu tun hat. Ich möchte Eltern dazu aufrufen, soviel Zeit wie möglich mit ihren Kindern zu verbringen, vor allem wenn sie klein sind. Ich weiß, dass sich dies aus verschiedenen Gründen nicht für jeden realisieren lässt, aber ich lade jeden dazu ein, sich selbstkritisch zu prüfen, ob manches Argument, welches einen scheinbar zurück in den Job zwingt, nicht entkräftet werden kann. Wenn du überlegst, nach acht Wochen Mutterschutz zurück in den Beruf zu kehren – lass es bleiben, wenn es nicht unbedingt sein muss. Genieße stattdessen die Zeit mit deinem Kind/deinen Kindern als das Geschenk, das sie ist ! Werde nicht müde, neue Wege für dich und deine Familie zu prüfen, wenn du merkst, dass du dich verrannt hast.

4 Kommentare

  1. Marlene sagt

    Liebe Sabrina,

    ich bin schlichtweg begeistert von dieser Offenheit und teile jedes Wort. Hut ab übrigens, dass du dir noch die Zeit für diesen wunderbaren Blog nimmst,

    alles Liebe Marlene

    • letsfindtiggy sagt

      Liebe Marlene, danke für das Kompliment. Ich freue mich sehr, dass es dir gefällt :). Auf bald

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