Eltern werden
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Schwanger heiraten am Strand

Photo: Fotohaus Ohl

Heiraten wollte ich eigentlich gar nicht, zu spießig.

Ich träumte auch nicht von einer Kutsche, weißen Tauben und einem meterlangen Schleier. Dass ich dann mit Babybauch quasi am Strand heiraten würde, hätte ich mir auch nicht  träumen lassen.

Photo: Fotohaus Ohl

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Bevor der Nachwuchs sich konkretisierte, war eigentlich geplant, von Portugal aus in Richtung Spanien den Jakobsweg zu erwandern.

Urlaub dafür hatten wir jeweils genommen. Nachdem wir die freudige Nachricht erhalten hatten, dass wir bald zu dritt sein würden, erschien uns dieses Unterfangen jedoch risikobehaftet (typisch erste Schwangerschaft, heute würde ich das wohl lockerer sehen). Dann kam der Gedanke, dass wir uns mit einem gemeinsamen Kind ja schon sehr zueinander bekannt haben und ein Jawort uns im Zweifel später viele Formalitäten ersparen würde.

Nur – wann und wo heiraten ?

Ich hatte keinerlei Lust auf ein großes Fest mit viel zu vielen Leuten, denen ich an unserem Tag doch nicht würde gerecht werden können. Außerdem war wenig planbar, wie es mit meiner Fitness bis dahin aussehen würde. Kurz gesagt, ich wollte eine Hochzeit mit so wenig Leuten wie möglich.

Dann folgte der Gedanke, unseren ohnehin genommenen Urlaub zu nutzen, um eine Reise mit der Hochzeit zu verbinden. Ich machte es mir also zur Aufgabe, nach einem geeigneten Ort zu suchen. Ganz klar war, dass es ans Meer gehen musste, denn ich liebe das Meer. Nach längerer Suche stieß ich auf die Seebrücke in Sellin auf Rügen. Einen Anruf später war klar, dass unser Terminwunsch realisiert werden konnte. Helmut war mit meiner Wahl auch einverstanden.

Photo: Fotohaus Ohl

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Die Formalitäten waren relativ unkompliziert und ich musste nur einmal bei dem Standesamt meines Wohnortes vorstellig werden. Dort bestand das größte Problem darin, dass der Computer den von mir ins Auge gefassten Doppelnamen nicht mochte und mich lieber zu einer Frau Krohe-Müller gemacht hätte. Das Problem konnte aber dankenswerterweise dann doch behoben werden.

Der Termin war klargemacht und wir planten unsere „Heiratsreise“. Nach Rügen sollte es dann noch ein paar Tage auf das schöne Hiddensee gehen.

Außerdem beschlossen wir – zum Entsetzen aller – ganz alleine zu fahren und unsere Hochzeit ohne Gäste und Trauzeugen (nein, braucht man zwischenzeitlich nicht mehr) zu begehen.

Schwanger heiraten und ein schönes Kleid finden – keine einfache Aufgabe.

Ich gehöre zu jenen Mamas , die bereits zu Mitte der Schwangerschaft bauchmäßig Gas geben. Ich durchsuchte Geschäfte und das Internet nach einem Brautkleid. Unglaublich, was für Scheußlichkeiten da zu kaufen waren. Nein, ich wollte nicht aussehen, wie ein explodiertes Knallbonbon. Viel Getüll macht sich mit Bauch nicht so gut. Ein schlichtes Kleid könnte man grundsätzlich später einfärben – aber wann hab ich normalerweise schon soviel Bauch ? Eher abwegig also. Ich war frustriert und wenig gewillt, mehrere hundert Euro für ein hässliches Kleid auszugeben, dass ich nie wieder anziehen würde.

Und dann erinnerte ich mich zu meinem großen Glück daran, dass ich einige Jahre zuvor auf einem Wochenmarkt in Andalusien verschiedene Baumwollkleider mit Stickereien gekauft hatte. Einheitsgröße- wie es dann immer heißt. War da nicht ein weißes Kleid dabei ? Tatsache. Und : ich passte hinein. Problem gelöst. Nur handelte es sich um ein Trägerkleid. Es erschien tunlich noch für ein Paar Ärmel Sorge zu tragen und Schuhe brauchte ich auch noch. Ein Wochenendtrip mit meiner Mama nach Oostende und der Besuch einiger Kleidungs- und Schuhgeschäfte löste auch diese Fragen. Ich habe mir dann tatsächlich zwei Paar Schuhe gekauft. Ein Paar hohe Hacken und ein Paar flache Treter für den Notfall.

In Sellin hatten wir uns für ein Hotel mit direktem Blick auf die Seebrücke und das Meer entschieden. So war der Weg zum Altar am Tag der Tage entsprechend kurz.

Da wir ja alleine vor Ort waren, hatten wir versprochen, das Geschehen im Bilde festhalten zu lassen. Wir hatten ein gutes Händchen mit der Wahl unserer Hochzeitsfotografin vom Fotohaus Ohl. Ich freue mich im Nachhinein weiterhin besonders über die Außenaufnahmen.

Im Mai hatten wir mit relativ stabilem Wetter gerechnet.

Die Vorhersagen für den ausersehenen Tag sahen Regen vor. Nun wurde mir doch bange davor, wie ein begoßener Pudel am Altar anzukommen, denn die Seebrücke mussten wir ja jedenfalls zu Fuß überqueren. Und so durchforsteten wir den Ort nach Regenschutz. Wir erwarben nach langer -und zunächst völlig erfolgloser – Suche zwei Einwegregenmäntel- einer in Quietschgelb, der andere in schrillem Pink.

Aber die Wettergötter hatten ein Einsehen mit uns und es blieb nicht nur trocken, sondern für uns traute sich sogar die Sonne heraus. Es war eine schöne Zeremonie und zum guten Schluß wurde für uns noch die Schiffsglocke geläutet.

Photo: Fotohaus Ohl

Photo: Fotohaus Ohl

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Nach Trauzeremonie und Fototermin ging es rasch zurück ins Hotel und hinein in normale Klamotten. Anschließend sind wir zum Bäcker, haben uns eine Streußelschnecke gekauft und eine Strandwanderung nach Binz unternommen.

Es war genau die richtige Entscheidung, unsere Hochzeit so völlig ohne Stress zu gestalten. Wir hatten einen wunderbaren Tag für uns alleine, den wir wohl so schnell nicht vergessen werden. Besser hätte es nicht laufen können.

Du siehst – schwanger im Urlaub zu heiraten ist gar kein Problem !

Photo: Fotohaus Ohl

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6 Kommentare

    • Sabrina sagt

      Danke ! Ja, die Streuselschnecke war nicht übel und das erste Essbare was ich an diesem Tag runterbekommen habe. Jaja, die Aufregung …

  1. Hallo Sabrina,

    ich gestehe, ich wollte auch nie heiraten. Das kommt mir sehr bekannt vor! Und doch, klingt Eure Hochzeit so etwas von romantisch. Am Strand, die Seebrücke von Sellin, irgend wie einmalig. Ist es nicht schön am Meer? Eure Bilder sind sehr schön geworden.

    Wir haben auch ohne Trauzeugen, ohne Familie und Verwandte geheiratet. Ich hatte kein Hochzeitskleid. Es war in Las Vegas, nur der singende Elvis hätte gefehlt. 😉

    Liebe Grüße
    Renate

    • Sabrina sagt

      Liebe Renate, danke für deinen Kommentar. Ja, das war sehr schön, am Meer heiraten zu dürfen. Las Vegas klingt aber auch spannend und irgendwie sehr spontan. Liebe Grüße, Sabrina

  2. Witzige Sache 🙂 So ganz ohne Gäste würd ich wohl nicht feiern wollen, aber so einfach und schlicht mit Streuselschnecke – das klingt nach nem Plan 😀

    • Sabrina sagt

      Hab Dank für deinen Kommentar 🙂 . Manch einer fand dasauch nicht so gut, dass wir alleine gefahren sind. An der Seebrücke gibt es eine Webcam. Teilweise wurde dann tatsächlich auch versucht, darüber einen Blick auf uns zu erhaschen.
      Ich glaube, dass ist sehr individuell, ob man Gäste mit dabei haben möchte. Mein Wunsch, den Tag alleine zu verbringen, hing wohl auch von den sonstigen Umständen ab. Unser Umfeld hat es aber – nach etwas Verwunderung – überwiegend dann auch verstanden.

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