Marokko, Neuester Artikel, Reisen allgemein, Unterwegs allein & zu zweit
Kommentare 8

Marrakesch – wenn aus einem Quickie Liebe wird

20151216_174551

Es war kurz, es war intensiv und es hat mich umgehauen. Ich habe mich Hals über Kopf verliebt in eine Stadt, die keinen Strand hat und nicht am Meer liegt.

Für vier Tage nach Marrakesch fliegen – lohnt sich das ? Aber sowas von.

Ich habe mich verlaufen in den Gassen, mich verloren in Farben und Gerüchen und unvergleichliche Eindrücke als Souvenir mit nach Hause genommen.

Marrakech-souk.

20151217_134349

Ornament.

Hinkommen – ankommen

20151215_221828

Marrakesch hat einen internationalen Flughafen und es gibt preislich vertretbare Direktflüge von vielen deutschen Städten aus.

Da bei uns (uns waren diesmal meine bezaubernde Schwester und ich) der Entschluss für unseren Trip kurzfristig fiel, war das Angebot an Flügen eher überschaubar. Skyscanner sei Dank gelang es gleichwohl, zeitlich und preislich passende Flüge zu finden : Hinflug mit Air Arabia ab Frankfurt und zurück mit Germanwings nach Köln. Beides lief glatt – keine 5 Minuten am Check-In, der Rest eher unspektakulär.

Wie ist das also, mit Air Arabia zu fliegen ? Völlig ok – es gab nichts zu beanstanden. Ich gebe zu, dass ich anfangs skeptisch war, da ich von noch niemandem gehört hatte, dass er mit Air Arabia geflogen war. Ihr kennt nun eine Person und mein Fazit habe ich schon rausposaunt.

20151215_190652

Nimm ein Zimmer in einem Riad

Es gibt viele sehr gute Hotels in ganz Marrakesch, aber für ein intensives Marrakescherlebnis empfehle ich dir ein Riad in der Medina.

Von außen oft völlig unscheinbar, entpuppen sich diese Stadthäuser mit wunderbaren Innenhöfen und Dachterrassen als Traum aus 1001 Nacht. Das erste Problem, das bei der Planung auftritt, ist, dass es in der Medina hunderte dieser Riads gibt.

riad - Innenhof.

Wie also eine Entscheidung treffen ? Ich habe auch diesmal eine Kombination aus booking.com und Tripadvisor zur Recherche verwendet und hatte eine echte Aufgabe vor mir. Obwohl ich viele Kriterien aufgestellt hatte, denen, die Unterkunft gerecht werden musste, blieben noch gefühlt unendlich viele Riads übrig. Also weiter Kritiken lesen, Fotos anschauen, genaue Lage im Stadtplan checken – und letztlich auf das Bauchgefühl hören.

Mein Bauch hat eine gute Entscheidung getroffen und uns in das Riad CharCam geführt. Ich hatte im Vorfeld um einen Flughafentransfer gebeten und dieser wurde perfekt organisiert. Da die Gassen in der Medina extrem eng sind, konnte das Taxi nicht direkt bis zum Riad fahren, sondern hielt in einiger Entfernung, sodass wir noch etwa 5 Minuten zu Fuß zu gehen hatten. Wir folgten  dem Taxifahrer in das Gassengewirr der nächtlichen Medina und auf dem Weg gesellten sich noch zwei weitere Männer hinzu. Eine etwas seltsame Situation. dann bogen wir durch ein Tor in eine dunkle, sehr enge Gasse ein – und befanden uns auf einmal vor der Tür unseres Riads.

riad-tür.

Auf unser Klingeln hin öffnete sich die Tür und wir wurden mit einem strahlenden Lächeln begrüßt. Wir fühlten uns sofort sehr willkommen. In der von mir gebuchten „Blauen Suite“ fühlten wir uns sofort wohl. Im Riad gibt es übrigens insgesamt fünf Zimmer, die jeweils einem Farbschema folgen.

Riad-I..zimmerriad.riad- bett

riad - bad.riad- bad 2.

Das Frühstück wird im Riad CharCam auf der Dachterrasse serviert, wo nach Anmeldung am kleinen Kamin auch ein leckeres Abendessen eingenommen werden kann. Für alle Gäste gibt es einen gemeinsamen großen Tisch, sodass man schnell ins Gespräch kommt. Ansonsten bietet die Dachterrasse verschiedene Möglichkeiten sich auszuruhen und ein Sonnenbad zu nehmen. Es gibt sogar einen kleinen Pool, in dem man sich abkühlen -aber nicht schwimmen- kann.

20151216_093241 terrasse

 

Bruno, der Hausherr und  Gastgeber, steht in allen Lebenslagen mit Rat und Tat zur Seite. Er brieft seine Gäste nicht nur, bevor er sie in die Medina entlässt, sondern sorgt auch für einen reibungslosen Ablauf vermittelter Ausflüge und bringt mitunter am Abfahrtstag seine Gäste selbst zum Taxi.

Riad-b..

Das Riad liegt vom Hauptplatz, dem Djemaa el Fna, nur wenige Gehminuten entfernt – wenn man einmal raushat wo es langgeht.

Aber nun lasst uns dazu kommen, was es in Marrakesch zu sehen gibt und was diese Stadt so besonders macht.

Was solltest du dir unbedingt anschauen ?

Jardin Majorelle

Ja – ein Garten, aber was für einer. Schau dir mal diese Farben an, die natürlich vor Ort noch einmal viel intensiver sind, als auf den Fotos.

Der Garten wurde 1923 von dem französischen Maler Jaques Majorelle angelegt. 1980 wurde der Garten dann von Yves Saint Laurent und seinem Lebensgefährten gekauft. Nach dem Tod Yves Saint Laurents 2008 wurde seine Asche im Garten verstreut. Der Garten eignet sich auch für dich, wenn du sonst keinerlei Bezug zu Pflanzen hast. Die Farben, die entspannte Atmosphäre und ein unvergleichlicher Avocadoshake mit Mandel im zum Garten gehörenden lauschigen Café haben zumindest mich begeistert.

jadin majorelle 2.

20151216_121545

 

Medersa Ben Youssef

Die ehemalige Koranschule aus dem 14. Jahrhundert hat mich durch ihre Architektur und die vielen Details verzaubert. Ein wunderbarer Ort, um zwischen den Streifzügen in der quirligen Medina zur Ruhe zu kommen.

20151216_164903

Palast El-Badi

Leider steht von dem ehemals prunkvollen Palast nicht mehr allzuviel, aber das was erhalten ist, vermittelt bereits einen guten Eindruck davon, welche Prachtanlage dort einmal stand. Weiteres Highlight: Es gibt dort jede Menge Störche zu beobachten. Am besten gehst du dazu auf die Terrasse – ganz nebenbei findest du dich dann über den Dächern Marrakeschs wieder und hast einen guten Überblick über die ganze Stadt.

20151217_111701 20151217_111730 20151217_104132

Bahia Palast

Ein recht junger Palast – er wurde erst kurz vor 1900 erbaut. Auch hier lassen die Architektur und die Details wie Schnitzereien die Besucher staunen. Das ehrwürdige Gebäude wird auch schon mal als Partylocation, z.B. an P.Diddy, vermietet.

20151217_115350

bahia1.

Koutoubiamoschee

Rein darfst du als Nichtmuslim leider nicht, aber auch die Außenansicht der Mitte des 12. Jahrhunderts erbauten Moschee begeistert zu jeder Tageszeit. Besonders schön sieht sie am Abend von dem Djemaa el Fna aus.

20151216_142422

Djemaa el Fna

„Der Platz“ ist das Zentrum der Medina. Hier führen alle Wege hin und  wer sich verlaufen hat, fragt sich erst einmal wieder bis zum Platz durch und startet von dort einen neuen Versuch, zu seinem eigentlichen Ziel zu gelangen. Auch wenn tagsüber hier schon ordentlich was los ist, erwacht der Platz am Abend erst richtig zum Leben.

Für das leibliche Wohl sorgen unzählige Saft- und Essensstände, deren Besitzer auf vielfältige Weise um Kundschaft werben. Der Rauch, der von den Essensständen ausgeht, ist auch von den weit entfernten Dachterrassen noch auszumachen. Ansonsten kannst du Schlangenbeschwörern zusehen, Geschichtenerzählern lauschen, Musik- und Tanzdarbietungen anschauen, dir Hände und Füße mit Henna bemalen lassen, dir die Zukunft vorhersagen lassen und vieles mehr. Neben den herumirrenden Touristen suchen hier auch die Einheimischen eine abendliche Zerstreuung und stehen in Gruppen zusammen und schauen sich die Darbietungen an.

20151216_17455120151217_175148

Wie ist das nun für zwei blonde Frauen ohne männliche Begleitung in Marrakesch unterwegs zu sein ?

Nach unserem Eindruck halb so wild. Natürlich fängt man sich den ein oder anderen Spruch ein und am Anfang ist es auch eher unangenehm, in irgendwelche engen unüberschaubaren Gassen hineinzusteuern, in denen nur Männer – scheinbar ohne besonderen Anlass – herumstehen. Mit der passenden Antwort auf den Lippen und zunehmender Ortskenntnis ließ sich das Ganze aber gut bewältigen. Wir wurden oft angequatscht, aber niemals ernsthaft belästigt. Auch wenn wir uns am späteren Abend in der Medina bewegten, haben wir uns zu jeder Zeit sicher gefühlt. Es gibt in Europa Städte bei denen ich mehr Bedenken hätte.

Unterwegs in Marrakesch

Die Menschen in Marrakesch sind sehr kommunikativ und hilfsbereit. Reichen die Sprachkenntnisse  nicht aus, um den Weg zu erklären, so wird kurzerhand mal vorangegangen. Man sollte allerdings lieber selber jemanden nach dem Weg fragen, als sich von jemandem führen zu lassen, der dies von sich aus anbietet. Die sogenannten „falschen Führer“ bringen dich zwar an dein Ziel – oder in das Teppichgeschäft ihres Onkels – wollen am Ende des Weges dafür aber auch entlohnt werden.

Wenn deine Füße vom vielen Umherlaufen schmerzen und du mal etwas anderes probieren möchtest, dann miete eine der zahlreichen Pferdekutschen und lass dich darin umherfahren. Vergiss aber nicht, den Preis zuvor auszuhandeln, damit es am Ende keine teuren Überraschungen gibt.

Und noch was: Es gehört in Marrakesch dazu, sich zu verlaufen – und das nicht nur einmal. Bleib  entspannt und genieße die Eindrücke, du wirst dein Ziel finden. Im Notfall frag dich zum Platz durch und starte von dort neu.

Marrakesch das ist Farben, Gerüche und 1001 Geräusche. Lass einfach los und lass dich durch die Gassen treiben. Halte zwischendurch auch mal inne, setz dich in eines der Cafés und trink einen Minztee. Marrakesch ist ein Fest für die Sinne – fahr hin und überzeuge dich selbst.

Raus aus der Stadt

Auch ein Kurztrip nach Marrakesch lässt genug Zeit für einen kleinen Abstecher. Wir sind durch das Atlasgebirge nach Quarzazate gefahren. Es war ein langer Tag, aber die atemberaubende Landschaft hat uns für die lange Fahrt mehr als entschädigt. An dieser Stelle lasse ich Bilder sprechen:

20151218_091640 20151218_104309 20151218_140957 20151218_141258 20151218_150706 20151218_151721 20151218_152944

Mit diesem Artikel nehme ich übrigens teil an der Blogparade von „Escape from Reality“. Den dortigen Artikel mit vielen weiteren Links zum Thema Marraksch findest du hier.

 

 

 

8 Kommentare

  1. Marrakesch ist wirklich so wunder, wunderschön. Freut mich das es dir so gut gefallen hat!
    Ich denke das mit dem Ankommen geht jedem so. Bei mir sind auch immer mehr und mehr Männer dazugekommen und zum Schluss war die Situation auch sehr unangenehm. Aber sobald man zum Riad kommt, ist alles vergessen und es war auch die einzige, doofe Situation!
    Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich könnte gleich wieder zurück 😉

    Liebe Grüße,
    Lynn

    • Sabrina sagt

      Ich muss gestehen – ich arbeite schon an Plänen für ein baldiges Wiedersehen mit Marrakesch – einfach zu schön, diese Stadt.

  2. Hach, Marrakesch, da war jetzt wirklich schon jeder, nur ich nicht… Ich stelle es mir wunderbar vor, sich zu verlaufen. Ich mag das, wenn man sich in Städten einfach treiben lassen kann…

  3. Ein herrliches Land mit den freundlichsten Menschen, die ich in meinem gesamten Leben bisher Kennenlernen durfte. Ein bezaubernder Traum aus 1001 Nacht!

    • Sabrina sagt

      Ich bin auch jedes Mal aufs Neue begeistert. Ende Juni fliegen wir wieder los und haben uns diesmal neben Marrakesch das Atlasgebirge vorgenommen.

  4. Annika Bäcker sagt

    Ein wunderschöner Bericht über eine farbenfrohe, lebendige Stadt 🙂 Marrakesch stand schon lange auf meiner Liste…

    • Sabrina sagt

      Vielen Dank, liebe Annika. Marrakesch ist immer schön. Gerade auch in den Wintermonaten, wenn es dort frühlingshaft ist 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *