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Izmir entdecken und lieben lernen

Izmir

Was kann man in Izmir machen ?

Ich gebe zu, das wir keinen blassen Schimmer hatten, was genau uns in drei Tagen Izmir erwarten würde. Ich hatte für unsere kleine Mädelsreisegruppe eine türkische Drei-Städte-Tour zusammengestellt und da war eine dieser Städte irgendwie Izmir geworden.

Was von Anfang an ganz klar für Izmir sprach, war seine Lage am Wasser. Ansonsten gab es überall nur spärliche Informationen. Während es zu unseren beiden anderen Zielen (Istanbul und Antalya) jeweils spezielle Städtereiseführer gab, wurde Izmir auch in Reiseführern über die gesamte Region eher kurz und knapp abgehandelt. Blogartikel zu Izmir habe ich auch nicht wirklich gefunden. Die meisten Hinweise fand ich in irgendwelchen Kreuzfahrtforen.

Bei der Planung hatte ich auf Skyscanner geschaut, welche innertürkischen Flüge es am gewünschten Tag von Istanbul aus  gab und dabei war Izmir dann in die engere Auswahl geraten. Ich war neugierig auf diese Stadt, von der ich noch nicht wirklich viel gehört hatte.

Das Experiment ist gelungen. Izmir ist eine wunderbare Stadt und außerdem für eine Großstadt herrlich entspannt und entspannend.

Uhrenturm

Uhrenturm 2

Das Wahrzeichen von Izmir ist der Uhrenturm am Konakplatz. Wir haben uns sofort in den Uhrenturm verliebt und kehrten auf unseren Streifzügen immer wieder dorthin zurück, um auf dem Platz auf einer Bank zu sitzen und dem Treiben rund um den Uhrenturm zuzusehen. Auf dem Platz, der bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt ist, ist immer etwas los. Dort haben wir tatsächlich auch andere – und davon nicht wenige – Touristen gesehen. Bewegt man sich jedoch nur wenige Meter vom Uhrenturm weg, so sind sie alle verschwunden. Wir haben während unserer Tage in Izmir so ziemlich jede Gasse in der Umgegend durchlaufen und haben sie nicht wiedergesehen. Wohin all diese Menschen hin verschwunden sind, wir konnten das Rätsel nicht lösen. Möglicherweise sind sie gleich zurück aufs Schiff oder aber nach einem Foto mit dem Wahrzeichen Izmirs direkt zu einer der historischen Stätten im Umland aufgebrochen. Jedenfalls ist es sehr entspannend mit einem Simit (ringförmiges Hefeteiggebäck mit Sesamkörnern), der an den kleinen Simitwagen einheitlich 1 TL kostet, in der Hand auf der Bank zu sitzen und die Szenerie auf sich wirken zu lassen.

Wenige Meter weiter, auch auf dem Konakplatz, befindet sich gleich eine der weiteren Topsehenswürdigkeiten von Izmir, die Yalı-Moschee. Diese ist winzig aber wunderschön anzuschauen . Besonders gut haben mir natürlich wieder die Fliesen gefallen. Und wie praktisch, dass dieses schnuckelige Gebäude gleich neben dem Uhrenturm steht.

Moschee KonakplatzMosaik

Vom Uhrenturm startend, hat man verschiedene Möglichkeiten.

Überquert man die Straße, die den Konakplatz vom Wasser trennt, und biegt auf der Uferpromenade nach links und folgt dieser, so kann man nach spätestens einer Viertelstunde bereits eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ausmachen, die kurioserweise in keinem der amtlichen Stadtpläne erfasst ist , den Asansör. Hierbei handelt es sich um einen 1907 erbauten, und ursprünglich hydraulisch arbeitenden jedoch mittlerweile auf elektrischen Betrieb umgerüsteten Aufzug, der die Uferlinie des  Karataş Viertels mit dem darüber liegenden Hügel verbindet. Derzeit ist die Nutzung kostenfrei, in der Vergangenheit wurde aber auch schon eine kleine Gebühr für die Nutzung erhoben. Der Aufzug liegt am Ende einer pittoresken Gasse, der „Dario Moreno Sokak“ . Oben angekommen erwarten einen eine schöne Aussicht über Izmir und ein Restarant- und Cafébetrieb, der vielfach gerühmt wird. Als wir da waren, brauchte der Service allerdings einigen Anlauf. Hier haben wir dann doch noch einmal vereinzelte Touristen gesichtet, die allerdings alle mit dem Taxi angereist waren. Ob dies der Nichtexistenz des Aufzugs im Stadtplan geschuldet war, können wir nicht mit Sicherheit sagen.

Ansansör v. untenDavid Moreno Sokak.AsansörAsansör 2

Wer vom Konakplatz aus einfach geradeaus weiterläuft (also entgegengesetzte Richtung zum Wasser) der kommt erst an ein paar Touri- und Ramschläden vorbei und landet dann aber unweigerlich in einer ganz anderen Welt. Wenn man der Straße folgt und geht bei den Wegweisern dann in Richtung Kemeralti weiter, so findet man sich alsbald in der bunten Einkaufswelt des Basars wieder. Hier sind alle Gassen thematisch sortiert. Und es gibt die verschiedensten Themenbereiche wie z.B. Baby-und Kinderbekleidung, Hochzeit, Schwangerschaft, Unterwäsche und Strümpfe, Dekowaren, Tiere etc. Eindrucksvoll sind auch die Bereiche, in denen Lebensmittel verkauft werden. An die hier scheinbar übliche Auslage der Fleischereien muss sich unser Auge erst einmal gewöhnen. Je weiter man vordringt, desto geringer die Chance, mit irgendeiner europäischen Fremdsprache gehört zu werden – es bleiben aber Hände und Füße. Und auch dort, wo die Verbalkommunikation noch ohne Sprachbarriere klappt, passieren einem seltsame Dinge. Ich wollte für Felicia zusätzliche Strumpfhosen kaufen und hatte drei ausgesucht. An der Kasse legte der Verkäufer eine zur Seite und meinte „viel zu teuer“. Zu den anderen beiden, die von der gleichen Marke waren, könnte ich jedoch noch eine dritte gleicher Art hinzunehmen, und würde so in den Genuß eines Sonderangebotes kommen. Kam mich dann auch tatsächlich viel günstiger und war keine optische oder sonstige Einbuße. Im Eifer des Gefechts ließ ich dann auch noch mein Handy an der Kasse liegen, dass mir aber durch die Gassen des Basars nachgetragen wurde. Sehr angenehm ist, dass man dort nirgends angequatscht wird und von irgendetwas überzeugt werden soll. Jeder kann in aller Ruhe die Auslage betrachten.

Fleischauslage

Wer allerdings einmal versucht, in Izmir Postkarten zu kaufen, der muss schon Glück haben. Die sind gar nicht so einfach an jeder Ecke zu bekommen. Uns ist es dann nach zwei Tagen doch noch gelungen, welche aufzutreiben.

Izmir vom Wasser aus zu betrachten, ist eine lohnenswerte und kostengünstige Angelegenheit. Gegenüber des Konaksplatzes gibt es eine Fähranlegestelle. Von dort aus kann man für 3 TL / einfache Fahrt binnen ca. 20 Minuten übersetzen in den modernen Stadtteil Karşıyaka. Dort geht es noch weniger touristisch zu.

Izmir vom Wasser aus

Wer vor der Fährfahrt vom Uhrenturm aus noch einige Schritte laufen mag, der kann zunächst ein Stück an der Promenade am Wasser langgehen bis zum Fähranleger Pasaport. Dazu kann man an der kleinen Moschee den Konakplatz nach links verlassen und muss dann nach ein paar Metern eine kleine Brücke überschreiten. Auf dem Weg zum Fähranleger kommt man irgendwann auch bei der Touristeninfomation vorbei. Auf dem Platz vor der Touristeninfo gibt es eine öffentliche Wifi-Zone.

Die Promenade erstreckt sich insgesamt über mehrere Kilometer. Sie ist gut auch mit dem Kinderwagen befahrbar und es macht viel Spaß, am Wasser entlangzulaufen. Spielplätze gibt es ebenfalls eine Menge entlang der Promenade, sodass immer mal wieder eine Runde Schaukeln eingeschoben werden kann. Ansonsten gibt es verschiedenste Sitzgelegenheiten mit Blick aufs Wasser. Wir haben auf unseren Wegen öfter mal innegehalten und Platz genommen und einfach nur die Aussicht auf das Wasser genossen.

Ausblick (2)

Auch in der Nähe unseres Hotels im Stadteil Balçova sind wir gerne ans Wasser gegangen. Zwischen kleinen Restaurantbooten auf der Wasserseite und Teegärten auf der anderen Seite der Promenade lässt es sich gut flanieren. Dazwischen gibt es auch in diesem Bereich der Promenade immer wieder Spielplätze, die größtenteils auch für Kleinkinder geeignet sind.

Spielplatz am MeerBooteAbend 2

Wir hatte uns für drei Nächte im Wyndham Grand Izmir Özdilek eingemietet. Pluspunkt sind auf jeden Fall die bodentiefen Fenster in den geräumigen Zimmern, die den Blick aufs Wasser rund um die Uhr ermöglichen. Der runde Hotelturm ist noch von anderen Stadtteilen aus gut zu erkennen. Zwar liegt das Hotel etwas abseits vom Zentrum, es werden jedoch ein kostenfreier Transfer zu verschiedenen Punkten in der Stadt und ein kostenfreier Flughafentransfer angeboten.  Kinder sind willkommen und werden liebevoll umsorgt. Felicia bekam zum Frühstück ein Gebäckstückchen mit Schirmchen und brennender Kerze vorbeigebracht, was teilweise zu der Vermutung führte, dass sie Geburtstag habe. Tatsächlich wollte ihr der Kellner einfach so eine Freude machen.

Wyndham Grand AbendWyndham Grand-ZimmerAusblick

Izmir lohnt die Reise, fordert aber von seinen Besuchern ein wenig mehr Entdeckergeist und Experimentierfreudigkeit ein, als andere Reiseziele in der Türkei, die touristisch bereits besser erschlossen sind. Wer sich jedoch einlässt auf Izmir, der wird es lieben !

10 Kommentare

  1. Hallo Sabrina,

    ein schöner Beitrag über Izmir. Die Stadt wird meiner Meinung nach von den meisten Reisenden vollkommen unterbewertet. Trotzdem finde ich die Stadt nicht so toll wie Antalya. Ich mag die dortige Altstadt einfach gerne. Ich bin schon gespannt, was du darüber schreibst.

    Tipps zu den Postkarten: Die gelben Schilder mit der blauen Aufschrift „Ptt“ führen dich zum nächsten Postamt. Und wundere dich nicht, wenn die Karte 2-3 Wochen für den Weg nach Deutschland braucht.

    Ich habe deinen Beitrag bei mir in FB, etc. geteilt, damit es wieder einmal ein paar gute Nachrichten aus der Türkei gibt.

    lg Thomas

    • Sabrina sagt

      Lieber Thomas, das freut mich besonders, dass dir als Türkeiexperten der Artikel gefallen hat. Vielen Dank fürs Teilen ! Antalya ist eben ganz anders und hat uns auch begeistert. Der entsprechende Artikel folgt in Kürze 😉

  2. Jürgen sagt

    Toll beschrieben mit Herz und ohne Schnick-Schnack. Glaube ich bin nun auch auf den Geschmack gekommen als alter „Türke“ mit 3 Jahren Wohnort Side nun mal mir auch Izmir mal anzuschauen. Denke es wird Mai werden und dann auch berichten.

    • Sabrina sagt

      Das freut mich, dass ich dir Lust auf Izmir machen konnte :). Lass mich dann sehr gerne wissen, wie es dir dort gefallen hat.

  3. Uns hat es letztes Jahr auf unserer Reise leider nicht nach Izmir verschlagen. Schade, wie ich jetzt sehe. Ein Geheimtipp für euren nächsten Türkei-Trip kann ich aber doch beisteuern: Bursa. Auch so eine unterschätzte Stadt. 🙂

      • Bursa lässt sich vor allem toll mit Istanbul und dem Marmarameer kombinieren. Es gibt Schnellfähren die dich in 2-3 Stunden hinbringen.

        Mit dem Berg Uludag hat Bursa übrigens das größte türkische Skigebiet direkt vor den Stadtgrenzen.

        Ansonsten gibt es noch Gräber vieler Osmanischer Sultane zu sehen und die Grüne Moschee.

        Und der Iskender Kebab ist in Bursa erfunden worden.

        • Sabrina sagt

          Danke, lieber Thomas, für die weiteren Informationen. Meine Neugier ist jedenfalls geweckt 🙂

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