Eltern werden, Familienalltag, Familienwahnsinn
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Gelesen: „Und was jetzt ? – Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingt“ von Bärbel Kerber

Und was jetzt

Ich gebe zu, dass ich nach Jurastudium und Referendariat nur noch selten Sachbücher lese, die nicht im weitesten Sinne etwas mit Reisen zu tun haben. Seitdem ich mich zudem zweifachen Mutterglücks erfreue, ist meine persönliche Lesezeit ohnehin dezimiert und mit dem Erfassen des aktuellen Tagesgeschehens, dem Lesen meiner Lieblingsblogs und der Konsultation vorgenannter Reiseführer zwecks Planung neuer Abenteuer, schnell aufgebraucht.

Der Titel des Buches hat mich irgendwie angesprochen. Warum ? Vielleicht, weil ich mich darin ein Stück weit wiederfinden konnte. Meine Neugier war jedenfalls geweckt.

Nein, es ist mir, obwohl es um ein für mich aktuelles Thema geht, nicht gelungen, das Buch in einem Rutsch durchzulesen. Zeitweise ging es schleppend voran. Das lag aber nicht am Buch, sondern daran, dass ich meine Zeit anderen Dingen widmen musste. Vielleicht war es auch ein wenig die Angst, dass die Lektüre des Buches Fragen in mir entstehen lassen würde, die ich mir bis dato nicht gestellt hatte.

Bärbel Kerber macht mit ihrem Buch klar, dass es Frauen in unserer heutigen Gesellschaft, in der ihnen scheinbar alle Türen offen stehen , nicht unbedingt leichter haben, als in vergangenen Zeiten. Es gibt eine Vielzahl an möglichen Lebensentwürfen, für die frau sich entscheiden kann und gleichwohl ist sie, egal, welche Wahl sie trifft, nicht unbedingt davor geschützt, Angriffen anderer ausgesetzt zu sein, oder aber selbst die eigene Wahl in Frage zu stellen. Egal, ob kinderlose Karrierefrau, Vollzeitmami oder berufstätige Mutter, jede Frau muss oft genug ihre Position gegenüber anderen verteidigen oder meint zumindest, dies tun zu müssen. Besonders traurig ist dabei, dass es oft die Frauen selbst sind, die gegenüber Frauen mit einem anderen Lebensentwurf eine gewisse Intoleranz an den Tag legen.

Die veränderten Möglichkeiten der Frauen bedingen auch ein verändertes Verhalten der Männer, die jedoch teilweise an einem überholten Rollenverständnis festhalten. Es gibt sie jedoch auch, die „neuen Männer“, die bereit sind, ihren Beruf hinten anzustellen und sich um die Familie zu kümmern, ja sogar zuhause zu bleiben, während die Frau ihrem Beruf nachgeht.

Was Bärbel Kerber in ihrem Buch darstellt, ist keine schöne Wahrheit, aber eine realistische Darstellung der Situation.

Ich bin dankbar für meinen „neuen Mann“ der nach der Geburt beider Kinder Elternzeit genommen und über einen längeren Zeitraum die Kinder zuhause betreut hat, während ich weiter meinem Beruf nachgegangen bin.

Trotz aller Dankbarkeit führt  das Buch bei mir aber auch immer wieder zum Nachdenken darüber, ob ich meine Prioritäten richtig gesetzt habe, ob das Arbeits-und Betreuungsmodell, das wir derzeit gewählt haben, uns allen gerecht wird.

Dabei realisiere ich, dass die Findung des eigenen Modells ein fortwährender Prozess ist. Während ich lange Zeit unter keinen Umständen Kinder haben wollte, kam irgendwann der Punkt, an dem ich mir ein Familienleben doch gut vorstellen konnte. Es blieb für mich aber undenkbar, dass ich diejenige sein würde, welche unter Aufgabe ihres Berufes bei den Kindern zuhause blieb. Ich hatte das Glück, dass mein Mann zur Übernahme dieser Aufgabe gerne bereit war und kehrte jeweils zügig nach der Geburt meiner Kinder an meinen Arbeitsplatz zurück. Nur acht Wochen nach der Geburt von Felicia war ich wieder mit meiner vollen Arbeitskraft im Einsatz. Heute weiß ich, dass das falsch war. Wir haben in der Folge versucht, unser Modell zu justieren. Ich wollte mehr Zeit mit meinen Kindern und weniger Zeit im Büro. Auch diesen Schritt ist mein Mann mitgegangen, auch wenn dies für ihn allwöchentliches Pendeln bedeutet, da er nunmehr auch –zumindest für drei Tage in der Woche-zurück an den Schreibtisch musste. Dieses Modell hat sich auch als schwierig erwiesen, weil wir über große Teile der Woche als Familie getrennt sind und leben. Es wird wieder eine Änderung geben.

Mehrfach habe ich angesetzt, um über dieses Buch zu schreiben, aber es ist mir nicht gelungen. Die Schwierigkeit bestand darin, dass es einen wunden Punkt bei mir getroffen hat.

Bärbel Kerber beschränkt sich in ihrem Buch jedoch nicht auf einen Problemaufriss, sondern gibt der Leserin auch Fragen und Tipps an die Hand, um die eigene Situation zu erfassen, Bedürfnisse zu erkennen und gegebenenfalls eine Neuausrichtung vorzunehmen.

Für mich sind die aufgeworfenen Fragen weiterhin aktuell.

Wenn es mir gelungen ist, meine Rollen als Mutter, Geliebte, Richterin und Reisebloggerin so miteinander zu vereinbaren, dass ich meinen eigenen Bedürfnissen und denen aller anderen Beteiligten gerecht werde, dann werde ich es euch wissen lassen ;).

Vielen Dank an Bärbel Kerber, die mir ein Rezensionsexemplar ihres Buches zur Verfügung gestellt hat.

 

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