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Entspannter Familienurlaub in der Jugendherberge Juist

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Strahlende Kinderaugen, entspannte Gesichtszüge bei den Eltern – das ist Familienurlaub in der Jugendherberge Juist.

Ich war skeptisch. Urlaub in der Jugendherberge – mit der ganzen Familie ? War das nicht eher was für Schulklassen, Horden von Halbwüchsigen oder schrullige Einzelpersonen auf Wanderschaft? Über  20 Jahre hatte ich in keiner Jugendherberge mehr geschlafen, zuletzt auf einer Klassenfahrt mit der Schule. Meine erste Assoziation waren immer große Blechkannen mit Hagebutten – oder Früchtetee.

Ich war aber neugierig genug, das nun mit meiner Familie einmal ausprobieren zu wollen. Jedenfalls ging es ans Meer, genauer gesagt auf die Insel, noch genauer gesagt nach JUIST. Wenn es also doof sein sollte in der Jugendherberge, dann hätten wir wenigstens Strand und Meer vor der Haustür.

War aber gar nicht doof, sondern ziemlich genial in der Jugendherberge Juist. Und außerdem sollte ich auch recht schnell herausfinden, dass es bereits viele Familien gibt, die jedes Jahr ihren Urlaub in der Jugendherberge verbringen und begeistert wiederkommen.

Mit dem neuen Bollerwagen machten wir uns also vor etwas über zwei Wochen auf den Weg zum Bahnhof in Niedervellmar. Nach einem Abschiedsfoto mit den Großeltern ging die Reise gen Norden los. Auf nach Norddeich Mole, wo unsere Fähre nach Juist am Abend ablegen sollte.

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Bevor wir an Bord gehen durften, gaben wir unser Gepäck für die Dauer der Überfahrt ab und zahlten pro Erwachsenem 33 Euro für Hin-und Rückfahrt. Dank ihres zarten Alters durften Julius und Felicia noch kostenfrei mit (Kinder zwischen  6 und  13 Jahren zahlen 16,50 Euro). Die 90 Minuten Überfahrt vergingen schnell. Highlight für die Kinder war eine Spielecke an Bord, wo geklettert und gerutscht werden konnte. Auf Juist angekommen hieß es dann, unsere Rucksäcke wiederzufinden und uns auf den Weg zur Jugendherberge zu machen. Am Fähranleger standen Pferdefuhrwerke bereit, um Ankömmlinge und Gepäck aufzunehmen (Erwachsene 7 Euro, Kinder 3 Euro). Wir hatten aber den großen Teil des Tages sitzend zugebracht und waren dankbar für ein wenig Bewegung. Die grobe Richtung war klar und so zogen wir los in Richtung Loog, wo sich die Jugendherberge befindet.

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Dank guter Beschilderung fanden wir unser Ziel schnell und bekamen überraschend auch noch ein Abendessen. Das war ein guter Auftakt eines schönen Aufenthalts. Chefkoch Aaron stellte sich allen Neuankömmlingen vor, weihte uns in das kulinarische Wochenprogramm ein und sollte Recht behalten, als er sagte, dass es nix zu Meckern geben würde.

Nach dem Essen bezogen wir dann unser Familienzimmer in einem der Nebengebäude. Es gab einen separaten Eingang vom Hof. Neben einem Schlafzimmer mit zwei Stockbetten, einem Schrank sowie einem Tisch und vier Stühlen gab es ein eigenes Bad mit Dusche sowie ein separates WC. Unsere Handtuchpakete hatten wir an der Rezeption bekommen und auf allen vier Betten lag die Bettwäsche für uns parat. Gemeinsames Beziehen der Betten (wie rum gehört das?) sorgte trotz Müdigkeit für großes Gelächter. Die Verteilung der Betten lief weniger harmonisch ab, konnte aber für die erste Nacht auch irgendwann gelöst werden. In den nächsten Nächten wurde dann auch mal rotiert.

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Wir schliefen dank bleierner Müdigkeit und bequemen Betten super in dieser Nacht und genossen den Luxus, endlich einmal wieder bei geöffneten Fenstern schlafen zu können.

Ein Spielplatz direkt vor der Tür – ein Traum für Kinder und Eltern. Große Begeisterung löste deshalb nach dem ersten Aufwachen der Spielplatz aus, der sich inmitten der Anlage befindet. Es kostete einiges gutes Zureden, um unseren Nachwuchs davon zu überzeugen, dass zunächst noch ein Frühstück eingenommen werden sollte. Wir erlangten einen temporären Sieg.

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Das Frühstück übertraf meine Erwartungen und deckte alle Geschmacksrichtungen ab. Sehr positiv ist anzumerken, dass es viele frische Produkte (so z.B. auch Kiwis) und eine gute Auswahl an Brot und Brötchen gab. Aber auch sonst war für jeden was dabei, egal ob süß oder herzhaft.

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Die Geduld der beiden jüngsten Familienmitglieder ließ aber schnell nach, als sie sahen, dass bereits die ersten Kinder nach draußen zu Sandkasten, Klettergerüst und Rutsche stürmten. Wir räumten also ab und folgten ihnen mit einem dampfenden Becher Kaffee in der Hand nach draußen. Direkt neben dem Spielplatz befindet sich ein Platz mit Tischen und Stühlen, ein wenig wie in einem Biergarten. Hier saßen sie nun also, die Eltern der umhertobenden Kinder, tranken ihren Kaffee, beobachteten das Spielen, lasen Zeitung oder kamen miteinander ins Gespräch. Und irgendwie sahen die alle so entspannt aus. Also taten wir es ihnen gleich und suchten uns ein Plätzchen. Trotz der uns umgebenden herumtollenden Kinder spürte ich Ruhe und Entspannung.

Die Jugendherberge Juist ist ein Paradies für Kinder. Von früh bis spät sind sie – wenn nicht gerade auf einem Ausflug- in der Anlage unterwegs und der ein oder andere Spielkamerad ist schnell gefunden. Soviel Toben an gesunder Seeluft macht nicht nur hungrig, sondern auch müde. Die Folge sind ruhige Nächte und Ausschlafen am Morgen – wie haben wir das genossen.

Nach dem Abendessen lässt es sich auch gut draußen sitzen. Kaffee, Erfrischungsgetränke, Bier und Wein können an der Rezeption bis 21.00 Uhr gekauft werden.

Mittag-und Abendessen werden als Buffet angeboten und haben uns ebenfalls überzeugt. Es wurde ausreichend Abwechslung geboten und auch für mich als Vegetarierin war jeden Tag etwas dabei. Wo für viele Menschen gekocht wird, schmeckt das Essen oft fad. Nicht so in der Jugendherberge Juist.

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Waschmaschine und Trockner sind (gg. Gebühr) vor Ort vorhanden, falls zwischenzeitlich mal ein Wäschenotstand eintritt. Das Wlan läuft im Rezeptionsbereich und Außenbereich super- Digital Detox muss also nicht sein.

Und sonst so ?

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Es war schwierig, unsere Kinder loszueisen, aber es gibt noch mehr zu sehen auf Juist.

Nur wenige Schritte sind es zum Badestrand, der auch ohne Wasser ein Erlebnis sein kann. Mit nackten Füßen im Sand und durchs Wasser laufen, ordentlich Wind in den Haaren und auf der Jagd nach den allerschönsten Muscheln, so lassen sich Stunden verbringen.

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Und am Abend gibt es wunderschöne Sonnenuntergänge, die trotz hohen Kitschfaktors eines meiner persönlichen Highlights sind.

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Mit dem Fahrrad lässt sich die Insel gut erkunden – Räder können überall geliehen werden. Wir waren mit dem Bollerwagen unterwegs. Das ging sehr viel langsamer –aber auch voran.

Ein lohnendes Ziel ist die Domäne Bill, wo man draußen im Strandkorb sitzen und den berühmten Rosinenstuten futtern kann. Auch der Milchreis dort ist ein Gedicht. Wahrscheinlich sollte man Tee dazu trinken, aber uns hat auch ein kühles Jever zum Strahlen gebracht. Weil es uns so gut gefallen hat, sind wir auch gleich zu Wiederholungstätern geworden.

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Eigentlich ist man ja in der Jugendherberge rundum versorgt, für das ein oder andere Bedürfnis gibt es aber ganz in der Nähe einen Kaufmannsladen.

Der Hauptort der Insel lässt sich gut zu Fuß erreichen und bietet allerlei Geschäfte und Unterhaltungsmöglichkeiten. Wir waren während unserer Reise eher auf der Suche nach Ruhe und Natur, sodass wir es bei einem einmaligen Ausflug belassen haben.

Dabei habe ich allerdings ein sehr kinderfreundliches und auch sonst empfehlenswertes Restaurant und Café entdeckt, in dem wir vier uns alle sehr wohlgefühlt haben. Viel Platz für Kinderwagen, eine Spielecke, viele Bücher und Malsachen sowie einen schönen Wickelbereich. In der Küchenwerkstatt ist man auf Kinder eingestellt.

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Wir haben nur einen kleinen Teil der Insel gesehen – müssen unbedingt wiederkommen. Es waren entspannte Tage zwischen Strand und Spielplatz, die wir auf Juist verlebt haben.

Diese Zeit hat uns verstehen lassen, warum viele der Familien, die wir getroffen haben, Jahr für Jahr in die Jugendherberge Juist zurückkehren.  Vollends umsorgt, den Strand vor der Tür und mit zufriedenen Kindern, die hier immer jemanden zum Spielen finden, lässt es sich gut aushalten. Dies liegt auch nicht zuletzt an den tollen Mitarbeitern, die jederzeit ein offenes Ohr für die Wünsche und Nöte ihrer Gäste haben. Da wundert es nicht, dass die Spitzenzeiten des Jahres, insbesondere die Sommerferien, gut gebucht sind und schnell sein muss, wer im nächsten Jahr wiederkommen will. Das gilt insbesondere dann, wenn es eines der begehrten Familienzimmer sein soll. Wir haben für das nächste Jahr bereits zugeschlagen und freuen uns schon jetzt wie Bolle.

Offenlegung: In diesem Jahr waren wir auf Einladung  des DJH- Jugendherbergen im Nordwesten zu Gast in der Jugendherberge Juist

 

 

 

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